Blätter des Literaturkreises Hermann Hesse


Kinderseele

 

Die Erzählung ist stark geprägt von autobiografischen Elementen:

Der Autor erzählt Episoden aus seiner Kindheit.

Das elterliche Haus wird eingehend beschrieben.

Zentrales Thema der Erzählung ist das Verhältnis zwischen Sohn und Vater.

Die Familienmitglieder sind in ihrem gesellschaftlichen Leben und ihrer gesellschaftlichen Stellung beschrieben. Der Bäcker Haager und die Kirchengemeinde haben ihren festen Platz im Leben in der Kleinstadt.

 

Das Element des Schicksals:

Der Erzähler fühlt schon am Morgen, daß der Tag Schlechtes bringen wird. Er ahnt Unheil voraus.

Er sieht seine Stellung in der Familie als schicksalhaft an, alle anderen sind sittsam und rein, gut und gottesfürchtig. Er ist als verbrecherisch und sündig erblich vorbelastet, da auch ein Onkel als Kind die Gewohnheit hatte, zu stehlen.

Er stiehlt wie unter Zwang, fast gegen seinen Willen.

Sein Warten auf Erlösung bleibt vergeblich, weil sein Schicksal die Verdammnis ist.

Als möglichen Ausweg aus dem Schicksal wird zeitweise ein Selbstmord in Betracht gezogen.

 

Die Minderwertigkeitsgefühle:

Er kann nicht so gut holzschneiden wie seine Gleichaltrigen. (Beispiel Zigarrenschachtel als Spardose) Alles macht er schnell, pfuscht alles nur irgendwie hin.

Innerhalb der Familie fühlt er sich ausgeschlossen, schlechter, sündiger als die anderen.

Er fühlt sich so minderwertig, daß er sich aus Trotz immer weiter in seine Sünderrolle hineinsteigert. Seine Phantasien gipfeln in der Szene des jüngsten Gerichts, in der er Gott lästert und ihm vorwirft, er habe Gesetze gemacht, die kein Mensch befolgen könne.

Der Kamerad Weber muß als Sündenbock herhalten, damit der Erzähler seine Spannung entladen kann.

Das schlechte Gewissen wegen des begangenen Diebstahls treibt ihn in die Flucht.