Blätter des Literaturkreises Hermann Hesse


Die Kindheit des Zauberers

 

Die Erzählung ist stark geprägt von autobiografischen Elementen:

Umgebung ist eine Kleinstadt mit Fluß, Calw an der Nagold ist deutlich zu erkennen.

Das bürgerliche Milieu pflegt gutnachbarliche Beziehungen, so hat das Kind Umgang mit der Nachbarin Frau Anna.

Der Großvater hat einen Glasschrank mit allerlei orientalischen Erinnerungsstücken, so einem Pan und einer kleinen, tanzenden, indischen Götzenfigur.

Der Erzähler berichtet von späteren Begegnungen mit indischen und chinesischen Weisen, die er als „Wiederbegegnung und Heimkehr" empfindet.

 

Das Element des Zauberns:

Der Erzähler kann, eigenen Aussagen zufolge, zunächst zaubern, was er dann aber leider früh verlernt und im Alter erst wieder mühevoll erlernen muß.

Er sieht den Pan in immer anderer Gestalt, ist also empfindsam für Wandlungen im phantastischen Bereich.

Das größte Verlangen des Erzählers ist das nach der Möglichkeit, sich unsichtbar machen zu können. Aus diesem Grund möchte er unbedingt Zauberer werden. Er träumt davon, „im Winter Äpfel wachsen" und seine Börse „sich durch Zauber mit Gold und Silber füllen" zu lassen, seine Feinde „durch magischen Bann zu lähmen, dann durch Großmut zu beschämen, und zum Sieger und König ausgerufen zu werden" und dergleichen mehr.

Im Erwachsenenalter, als er nicht mehr über seine kindliche Zauberkraft verfügt, greift er zum Mittel des Pseudonyms, um sich unsichtbar zu machen.

Der „kleine Mann", ein spiritueller Führer mit praktischer Veranlagung, ist für andere unsichtbar und kann daher jederzeit einspringen, um dem Erzähler aus Verlegenheit oder Gefahr zu helfen. Ihm ist das möglich, was dem Erzähler eigentlich nicht erlaubt ist. So entledigt er sich beispielsweise ohne weiteres des kleinen Taschenkalenders, der dem Kind Erinnerung, aber auch Mahnung an einen Streit mit anschließender Versöhnung mit dem Vater sein soll, indem es er ihn kurzerhand in den Fluß werfen läßt.

Das Kind verliert seine Möglichkeit, mit dem „kleinen Mann" zu komunizieren, als es, Frau Anna nackt antreffend, seine kindliche Unschuld verliert. Dieses Ereignis ist jedoch vom „kleinen Mann" selbst herbeigeführt und somit als natürliches Moment im kindlichen Entwicklungsprozeß zu sehen.

 

Das Lernen:

Zaubern kann der Erzähler als Kind von Natur aus, verlernt es mit dem erwachenden Bewußtsein und dem Verlieren der kindlichen Unschuld, und muß es dann „wieder mühsam erlernen".

In der Schule lernt er „Schulwissenschaften", die ihm Spaß machen und leicht fallen, die er aber nicht als ernsthaft und für da Leben unentbehrlich, sondern als spielerische Unterhaltungen ansieht, welche Vergnügen machen. Zu den Kenntnissen, die ihm „sein Leben lang treu geblieben" sind, zählt er viele nutzlose oder gar unsinnige, auswendig gelernte Einzelheiten.

 

Das komische Element:

Hesse hat für seine Geschichte eine ungewöhnlich blumige Ausdrucksweise gewählt, die an vielen Stellen zum schmunzeln anregt.

Die Erzählung ist in einem leicht satirischen Stil geschrieben. Die Einfachheit, mit der der Autor die Tatsachen so klar, wie sie sich dem Kind darstellen, schildert, wirkt auf Erwachsene komisch. Das Gefühl, die Welt zu beherrschen, stellt sich dem, inzwischen klügeren, Erwachsenen lustig dar.

Unter diesem satririschen Stil jedoch verbirgt sich die tiefgründige Wahrheit, die Hesse dem Leser eigentlich mitteilen will.